@ Prof. Nahrstedt: Diskussion über Amygdalin/Laetril/B17

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Demian
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@ Prof. Nahrstedt: Diskussion über Amygdalin/Laetril/B17

Beitrag von Demian » 22.05.2014, 12:49

Ich beschäftige mich seit mittlerweile einem Jahrzehnt mit alternativen Behandlungsmethoden bei Krebs. Dabei habe ich eine große Leidenschaft für „Vitamin“ B17 und insbesondere den Hype und den Mythos rund um die Entdeckung, Erforschung und Anwendung dieses Naturstoffs entwickelt.

Ganz aktuell wird – finanziert durch eine private Stiftung – die Anwendung/Wirksamkeit von Laetril beim Blasenkarzinom von der Universität Frankfurt erforscht. Erste ermutigende und die positiven Ergebnisse aus der Forschung frühere Tage bestätigende Ergebnisse der Pilotstudie wurden auf dem 65. Kongress der deutschen Gesellschaft für Urologie im September 2013 vorgestellt.

Schon lange würde ich gerne mal als Laie mit einem Fachmann über diesen Naturstoff im Allgemeinen sowie im Speziellen diskutieren. Alle Versuche, diesbezüglich mit Onkologen der evidenzbasierenden Medizin ins Gespräch zu kommen, sind gescheitert.

Herr Professor Nahrstedt, Sie haben sich im Rahmen Ihrer Forschungen auf dem Gebiet der Sekundärstoffe in Pflanzen intensiv mit Amygdalin beschäftigt. Da Sie in vielen Ihrer Schriften P.G. Reitnauer zitieren, müssen Sie zwangsläufig auch mit der vermuteten Wirkung dieses Stoffs gegen Krebs in Berührung gekommen sein.

Sofern Sie Zeit, Lust und Muse finden, würde ich mich außerordentlich über Ihre Gedanken zu Amygdalin in der Krebsbehandlung freuen.
Insbesondere:

•Sehen Sie einen Zusammenhang zwischen dem fast gänzlichen Verschwinden der Bitterstoffe aus unserer Ernährung und dem enormen Anstieg der Krebsraten der zivilisierten westlichen Welt?

•Pionier der orthomolekularen Medizin Hans Nieper aus Deutschland, Nobelpreisträger Linus Pauling, Amerikas erfolgreichster Krebsforscher der 1970 Jahre Dr. Kanematsu Sugiura, usw. … - können die sich alle mit Amygdalin derart fatal geirrt haben?

•Ihre Meinung zur theoretischen (fragwürdigen) Funktionsweise von Amygdalin, also der Entgiftung des Stoffs durch Rhodanese der gesunden Zellen in Thiocyanat während Krebszellen durch beta-Glucoronidase Amygdalin zu Wassersoffzyanid hydrolysiert.

•Verzehren sie gelegentlich Aprikosenkerne?

Gruß

Demian

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Adolf Nahrstedt
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Beitrag von Adolf Nahrstedt » 30.05.2014, 18:34

Ursprünglich verstand man unter der Substanz "Laetrile" Benzaldehydcyanhydrin-ß-D-Glucuronid. Ich habe aber den Eindruck, dass diese Substanz nie benutzt wurde und die Angaben zu Laetrile auf einem frühen Fehler beruhen. Stattdessen enthielten alle Muster, die wir vor ca. 40 Jahren untersucht haben, Amygdalin (Benzaldehydcyanhydrin-ß-D-gentiobiosid). In der Literatur wird auch nur von Amygdalin gesprochen. Auch die Mandel- oder Aprikosenkerne enthalten neben wenig Prunasin (Benzyldehydcyanhydrin-ß-D-glucosid) vor allen Amygdalin.
Meine Ansicht zu dem Thema habe ich 1978 in der Deutschen Apotheker Zeitung, 118.Jahrg. Nr. 30 . 27. 7. 1978 unter dem Titel "Mandelsäurenitrilglykoside in der Krebstherapie - Eine kritische Übersicht" veröffentlicht. Wenn Sie wünschen, schicke ich Ihnen gerne einen pdf file.
Da ich schon seit 10 Jahren pensioniert bin, sind mir neuere Untersuchungen (Blasen-Ca, Frankfurt?) leider nicht bekannt.
Damals wurde behauptet, man könne Patienten mit bis zu 10 g Amygdalin iv therapieren. Das entspricht etwa 570 mg Blausäure, wenn Amygdalin vollständig zu HCN (Blausäure) abgebaut wird (merke: 1 mg/kg ist die Dosis letalis). Es wurde behauptet, der Mensch besässe keine ß-Glukosidase, die Amygdalin abbauen kann; nur in Krebszellen wäre sie vorhanden (s. mein Beitrag in der DAZ). Dies ist aber nie auf biochemischer Ebene schlüssig gezeigt worden. Es sind auch Todesfälle vorgekommen, aus denen man entnehmen muss, dass es wohl doch Individuen gibt, die Amygdalin zu ausreichend toxischen HCN-Mengen abbauen können. Diese fatalen Befunde haben ja dann auch zum Verbot von Amygdalin durch die FDA geführt.
Wenn neuerlich Untersuchungen durchgeführt werden, so sollten sie unter effektiver biochemischer Kontrolle und klare physiologisch/biochemische Charakterisierung der Patienten und ihres Carcinoms stattfinden.
Der Anstieg von Krebs (es gibt viele) ist m.E. sicherlich vor allem in den Umweltbedingungen zu suchen; ob die Bitterstoffe damit etwas zu tun haben, wage ich mangels Evidenz nicht zu behaupten.
Linus Pauling hat ja vor allen mit hohen Dosen an Ascorbinsäure (Vit. C) gearbeitet; hier könnte tatsächlich Bewegung in the Krebstherapie kommen (hohe Dosen Ascorbat iv plus Sauerstoff-therapie).
Ich verzehre keine Aprikosenkerne - vielleicht sollte ich es mal versuchen.

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