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Materia Medica

Klassische Homöopathie

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Samuel Hahnemann: Klassische Homöopathie

Hyoscyamus niger, Bilsenkraut


Hyoscyamus niger (Symbolfoto)

Hexenkraut, Familie der Solanaceae (Hyos.)


Das Bilsenkraut oder auch Hexenkraut gehört zu den Nachtschattengewächsen, ist in Europa und Asien heimisch und ist botanisch und auch therapeutisch der Belladonna sehr ähnlich. Besonders Samen und Wurzel sind stark giftig, ca. 15 der Samen sind für ein Kind tödlich. Es gehört zu den ältesten bekannten Giftpflanzen und fand schon im Altertum Verwendung als Rauschmittel und für rituelle Zwecke, daher auch der Name Hexenkraut. Hierzu wurden Blätter und Samen wegen des berauschenden Effektes geraucht; allerdings liegen halluzinogene und toxische Dosis dicht beieinander und durch den stark schwankenden Wirkstoffgehalt der Pflanze kann es leicht zu Vergiftungen kommen. Bei Überdosierung tritt der Tod durch Atemlähmung ein. Bis ins 17. Jhdt. wurde Bilsenkraut dem Bier zugesetzt, um seine berauschende Wirkung zu verstärken, was dann aber 1516 durch die Einführung des bayrischen Reinheitsgebotes untersagt wurde. In der Volksheilkunde wurde das Bilsenkraut als krampflösendes Mittel eingesetzt sowie bei Asthma bronchiale.
In der klassischen Homöopathie findet Hyoscyamus vorwiegend bei Störungen des Zentralnervensystems und bei krampfartigem Husten Verwendung. Wegen der Toxizität ist es verschreibungspflichtig bis zur D3.

Hyoscyamus wirkt bevorzugt auf Beschwerden von

Zentralnervensystem, obere Atemwege, Blase.

Folgende Umstände können die Beschwerden ausgelöst haben:

(Causa):
Eifersucht. Enttäuschte Liebe Unterdrückter Wochenfluß. Unterdrückter Milchfluß. Kopfverletzungen.

Hauptanwendungsgebiete von Hyosyamus

- Augenerkrankungen

- Epilepsie (Krampfanfälle)
- Meningitis (Hirnhautentzündung)
- Delirium tremens
- Erregungszustände
- Psychose
- Depression
- Keuchhusten
- Stottern
- Nasenbluten
- Hypochondrie
- Pharyngitis (Rachenentzündung)
- Kehlkopfentzündung (Laryngitis)
- Bronchitis
- Pneumonie (Lungenentzündung)
- Angina pectoris (Herzkranzgefäßverengung)
- Schluckauf
- Blasenlähmung
- Enuresis (Bettnässen)
- Inkontinenz
- Diarrhoe (Durchfall)
- Psychose im Kindbett
- Manie und Nymphomanie
- Neuralgie (Nervenschmerz)
- Morbus Parkinson
- Tetanus
- Typhus
- Schlafstörungen
- Nachtschreck
- Zahnschmerzen

Stimmung/Gemüt laut klassischer Homöopathie

Die Beschwerden begleitend können folgende typische Gemütszustände auftreten:
Tiefgreifende Störungen von Geist und Gemüt: Manische Zustände. Die Betroffenen benehmen sich wie verrückt, sie plappern, schwatzen und lachen, sprechen mit imaginären Personen oder mit Verstorbenen, singen und entblößen sich. Oder sie sind mißtrauisch, reizbar und nervös, sogar tobsüchtig bis hin zur Gewalttätigkeit. Extreme Eifersucht und Zwangsvorstellungen plagen den Patienten, er ist ruhelos, springt aus dem Bett und will fliehen. Er hat Angst vor dem Alleinsein, zupft an den Kleidern und an der Bettdecke, greift nach imaginären Flocken. Sein Mißtrauen wird zu paranoiden Wahnvorstellungen, er hat viele fixe Ideen, will seine Medikamente nicht nehmen, glaubt vergiftet zu werden oder an ein Komplott. Erotische Manie kann auftreten, alles dreht sich nur noch um Sex. Exhibitionismus und Schamlosigkeit mit ständigen obszönen Reden und Taten. Delirium tremens mit Ruhelosigkeit. Nägelbeißen. Schwere Schlaflosigkeit bei nervösen Menschen, durch (eingebildete) Probleme bei Geschäftsangelegenheiten.

Zentralnervensystem

Alle Muskeln zucken oder verkrampfen sich. Gand mal-Anfall: Epileptische Krämpfe mit Verdrehen der Glieder, mit Zuckungen, Zungenbiß und unwillkürlichem Stuhl- und Urinabgang. Der Rachen ist zugeschnürt, es kann keine Flüssigkeit geschluckt werden, das Zäpfchen ist verlängert. Die Pupillen sind erweitert, Doppelbilder werden gesehen. Der Kopf wird hin- und hergeworfen oder geschüttelt. Kopfschmerzen mit starkem Klopfen der Arterien. Meningitis. Folgen von Kopfverletzungen. Durch den Anblick fließenden Wassers können Krampfanfälle ausgelöst werden. Ruhelosigkeit trotz Müdigkeit, schwere Schlafstörungen.

Atemwege

Trockener hackender spastischer Husten, der schlimmer am Abend und in der Nacht ist sowie im Liegen. Auch Essen, Trinken und Sprechen verschlimmern die Beschwerden. Der Husten ist erschöpfend und erstickend und zwingt den Patienten zum Beugen nach vorn. Krampfartiger Husten oder Kitzelhusten, der durch ein Kitzelgefühl im Kehlkopf ausgelöst wird, besonders schlimm im Liegen. Wenn der Patient aufsitzt, hört der Husten auf. Keuchhusten. Der Auswurf kann hellrot blutig sein.

Allgemeine Charakteristik und Leitsymptome von Hyoscyamus:

Besonders geeignet für nervöse ruhelose leicht erregbare Menschen. Hauptwirkung auf Gemüt und Nervensystem: extreme Gemütszustände wie zwanghaftes Verhalten, Gewalttätigkeit, Mißtrauen, Eifersucht. Paranoider Wahn, manische Zustände und Zwangsvorstellungen. Fixe Ideen: glaubt an Verschwörung gegen ihn, glaubt vergiftet zu werden, Angst vor dem Alleinsein. Folgen von enttäuschter Liebe, Kummer, Schreck. Persönlichkeitsstörungen nach Kopfverletzungen. Delirium tremens mit Ruhelosigkeit. Delirium im Verlauf von akuten Krankheiten. Hysterische Zustände. Erotische Manie, Neigung zu Obszönität und Exhibitionismus. Zwangshandlungen und seltsame Gesten, zupft an Kleidern und Bettzeug, Nägelbeißen. Wasserphobie: kann keine Flüssigkeiten schlucken, Zusammenschnürung des Rachen, verlängertes Zäpfchen. Fließendes Wasser löst Konvulsionen aus. Epileptische Anfälle, Krämpfe und Muskelzuckungen. Krampfanfälle bei Schwangeren oder Gebärenden. Blasenlähmung im Wochenbett. Inkontinenz, unwillkürlicher Stuhl- und Harnabgang. Spastischer trockener Husten, schlimmer nachts und im Liegen, schlimmer durch Essen und Trinken, besser beim Aufsetzen. Nervöser Husten, Keuchhusten, Kitzelgefühl im Kehlkopf. Schwere Schlaflosigkeit.

Modalitäten

(=alles was den Krankheitszustand verbessert oder verschlimmert)
Folgende Umstände sind typisch für Beschwerden, für die Hyoscyamus als Heilmittel infrage kommt:
Besserung der Beschwerden durch:
Bewegung, Aufsetzen, Gehen, Wärme.

Verschlechterung der Beschwerden durch:
abends und nachts; Erregung; Gemütsbewegungen, im Liegen, Berührung, Eifersucht; während der Menses, nach dem Trinken, Kälte, kalte Luft.

Sonstiges

Essig kann die Arzneiwirkung schwächen bzw. antidotieren.

Bitte beachten Sie:

Tritt eine Besserung der Beschwerden ein, muss die Einnahme abgesetzt bzw. reduziert werden, mehr dazu unter Handhabung homöopathischer Arzneien.

Hyoscyamus-Fall

Der 7jährige Jannick kommt mit seiner Mutter wegen seiner Zappeligkeit in die Praxis; der Kinderarzt hatte bereits die Diagnose ADHS gestellt und hatte ihn auf Ritalin eingestellt. Jannick bekommt seit einem halben Jahr morgens eine Tablette und mittags nach Bedarf eine Tablette. Da die Eltern ihm ungern die Tabletten gaben, hatten sie meist auf die mittägliche Dosis verzichtet und lieber seine Lebhaftigkeit in Kauf genommen. Neuerdings weigert sich der Junge aber überhaupt sein Ritalin zu nehmen und behauptet, Kopfschmerzen von den Tabletten zu bekommen. Bei der körperlichen Untersuchung kann Jannick kaum stillsitzen, springt ständig von seinem Platz auf und faßt alles an, was in seiner Reichweite ist. Endlos dreht er sich auf dem Drehstuhl und benimmt sich auch recht respektlos gegenüber seiner Mutter und auch dem Therapeuten. Die Mutter hatte auch mit der Klassenlehrerin gesprochen, die ihm erhebliche Schwierigkeiten bei der sozialen Einordnung bestätigte. Im Unterricht ist er unruhig, kann sich nur kurze Zeit konzentrieren und spielt meist den Klassenclown. Oft ist er in Streitereien verwickelt, selbst bei banalen Meinungsverschiedenheiten wird er schnell aggressiv und schlägt um sich. Die Mutter gibt zu, dass er auch zu Haus sehr jähzornig sei und auch sie schon gebissen und getreten hätte. Weiterhin macht er auch mutwillig Dinge kaputt und akzeptiert keine Grenzen. Wie ist der Schlaf? Er schlafe zwar recht schnell ein, der Schlaf sei aber sehr unruhig, er zerwühle das Bett und werde er häufig von Albträumen gequält. Die körperliche Untersuchung ergibt keinen Befund bis auf stark abgekaute Fingernägel, auch die Fußnägel sind betroffen.
Daraufhin verschreibt der Homöopath Jannick das homöopathische Arzneimittel Hyoscyamus in einer LM-Potenz.

Begründung der Mittelwahl

Relevant für die Wahl des homöopathischen Arzneimittels Hyoscyamus sind vor allem die ständige Ruhelosigkeit verbunden mit dem aggressivem Verhalten. Das Fingernägelbeißen ist bestätigend für die Mittelwahl und auch die Albträume finden sich im Mittelbild.




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