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Bachblüten

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Centaury Blüte Nr.4 Teil II

Tausendgüldenkraut - Centaurium umbellatum



PRAKTISCHE EINSATZMÖGLICHKEITEN UND WIRKUNG VON CENTAURY


Bei welchen Problemen kann Centaury eingesetzt werden?

  • Persönlichkeitsschwäche, Schüchternheit, ungenügende Selbstbehauptungs- und Durchsetzungskraft.
  • Übertriebene Gutmütigkeit und Nachgiebigkeit.
  • "Aschenputtel"-Syndrom.
  • Übertriebener oder "vorauseilender" Gehorsam, Unterwürfigkeit, Servilität.
  • Der ewige, gehorsame "Junior" neben dem autoritären "Senior".
  • Unnormale Bescheidenheit oder Selbstverleugnung.
  • Bereitschaft zu Aufopferung und Verzicht.
  • Schlechte, unterwürfige Haltung.
  • Körperlich: evtl. Wirbelsäulenprobleme, (M. Scheuermann, M. Bechterew, Osteoporose), allgemeine Unterentwicklung, hormonelle Störungen.

Wie verhält man sich, wenn man Centaury braucht?


(Die folgenden Aussagen müssen nicht alle zutreffen. Für die Behandlung von Kindern tauschen Sie "man" gegen "das Kind" bzw. "es" aus.) Zum Beispiel:

  • Man ist immer zu gutmütig und nachgiebig, und es fällt einem schwer, nein zu sagen oder: "Ich will das!"
  • Man lässt sich ausnützen, "über den Tisch ziehen" oder erpressen.
  • Man ist sehr gehorsam oder angepasst und tut immer, was einem gesagt wird.
  • Man traut sich nicht zu sagen oder zu tun, was man will.
  • Man ordnet sich schnell unter oder verhält sich unterwürfig.
  • Man fürchtet sich insgeheim vor Autoritätspersonen oder vor Stärkeren - auch innerhalb der Familie - und lässt sich von ihnen herumkommandieren.
  • Man ist sehr anspruchslos und schnell zu Verzicht oder Selbstverleugnung bereit.
  • Man verzichtet auf sein eigenes Leben, weil man sich den Ansprüchen egoistischerer Menschen nicht entziehen kann.
  • Man hält sich nicht aufrecht, sondern vornüber gebeugt.

Wie reagiert man auf eine Krankheit?

  • Man wehrt sich nicht gegen die Krankheit, man akzeptiert sie klaglos.
  • Man lässt sich zu einer Therapie drängen, die man eigentlich nicht möchte.

Welche Wirkung ist zu erwarten?
Zum Beispiel:

  • Man wird "egoistischer", "frecher" und selbstbewusster und tut mehr als bisher das, was man selbst will.
  • Man kann sich besser durchsetzen und seinen Platz behaupten.
  • Man lässt sich nicht mehr so viel bevormunden, ausnützen, erpressen, herumkommandieren, verplanen oder beherrschen, sondern kann deutlicher zeigen oder aussagen, was man will oder nicht will.
  • Man bekommt eine aufrechtere und selbstbewusstere Körperhaltung.

DIE PSYCHOLOGIE DER CENTAURY-STÖRUNG


Jedes Bach-Mittel kann entweder kurzfristig zur Überwindung akuter psychischer Störungen oder langfristig zur Persönlichkeitsentwicklung, Charakterverbesserung und Lebenssanierung eingesetzt werden. Dabei werden psychische Anlagen, die sich negativ bzw. neurotisch entwickelt haben, oder Reaktionsweisen, die eine krankhafte Form angenommen haben, wieder ganz oder teilweise in ihren ursprünglich positiven und harmonischen Zustand zurückgeführt.


Die Centaury-Anlage macht sehr hingabefähig und altruistisch (selbstlos und entgegenkommend).
Menschen, bei denen sie sich harmonisch entwickelt, sind sehr altruistisch eingestellt, gutmütig und mitfühlend. Weil sie genau spüren, ob ihre Mitmenschen sich wohl fühlen, und weil davon auch ihr eigenes Wohlbefinden abhängt, sind sie immer bereit, sich ihnen zur Verfügung zu stellen oder ihnen bei Schwierigkeiten behilflich zu sein.

Ihr Verhalten entspricht dem, was man im guten Sinne unter "Selbstlosigkeit" versteht, und weil es mit so großer, zweckfreier Natürlichkeit geschieht, nützt es nicht nur den anderen, sondern auch ihnen selbst. Denn sie folgen ihrer inneren Bestimmung und verwirklichen sich selbst. (Selbstverwirklichung - die Voraussetzung für ein erfülltes, glückliches Leben - besteht ja darin, dass wir alle unsere Anlagen und Möglichkeiten optimal entwickeln und entfalten.)

So dienen sie den Menschen, ohne Diener zu sein, helfen sich selbst, indem sie anderen helfen, sind selbstlos um ihrer selbst willen. Und die Beliebtheit, die sie deshalb genießen, wird durch die Tatsache, dass sie in so selbstverständlicher, freilassender Weise geben, noch wesentlich verstärkt.

Unter ungünstigen Umständen kann seine Selbstlosigkeit zum Selbstverlust und seine Hingabefähigkeit zur Selbstaufgabe entarten. Dann bewirkt sein menschenfreundliches Dienen ungute, menschenunwürdige Verhältnisse, die einerseits in rücksichtslosem Ausnützen und andererseits in krankhaftem Sich-ausnützen-Lassen bestehen.

Menschen im ausgeprägten Centaury-Zustand besitzen zu wenig Kraft zur Selbstbehauptung und erfüllen zwanghaft oder unterwürfig alle Wünsche und Forderungen, die an sie gestellt werden. Daher kommt es oft vor, dass sie ihr Leben mit der aufopfernden Pflege egoistischer, rücksichtsloser Familienangehöriger vergeuden, dass sie sich von Menschen verbrauchenden Institutionen ausnützen oder sich von jedem, der autoritär auftritt, unterjochen lassen.

So edel diese Haltung manchmal auch erscheinen mag und so angenehm sie für diejenigen ist, die gerne auf Kosten anderer leben, so unheilvoll ist sie letztlich für den Centaury-Menschen selbst. Vordergründig erleichtert es ihn zwar, seinem krankhaften Zwang nachzugeben, in der Tiefe seines Wesens aber ruft die Unfähigkeit, den eigenen, berechtigten Bedürfnissen entsprechend zu leben und die eigene Persönlichkeit zu entwickeln, Unzufriedenheit und depressive Verstimmungen hervor. Daran können auch moralisierende Parolen nichts ändern.

Für jedermann angenehm, missbrauchbar und seine Selbstverwirklichung nicht wagend, erinnert der Centaury-Mensch oft an eine am ungünstigen Standort dahinkümmernde Pflanze.

Nicht immer ist die Centaury-Störung so extrem entwickelt, sondern sie kann sich auch nur in ungewöhnlicher Gutmütigkeit oder Hilfsbereitschaft äußern. Dennoch fühlt man, dass hier etwas nicht stimmt, und empfindet meist ein gewisses Mitleid.



Zusätzliche psychologisch-therapeutische Anmerkungen


Die natürliche Hingabefähigkeit des Centaury-Menschen, die mit großer Selbstlosigkeit gepaart ist, macht es ihm schwer, sich den Ansprüchen, die seine egoistische Umwelt an ihn stellt, zu widersetzen. Er gehört zu jenen Menschen, die niemals nein sagen können. Daher ist er für alle Besitz ergreifenden, fordernden Menschen eine "leichte Beute" und man findet in seiner Umgebung sehr oft Vervain- und Vine-Menschen.

Vor allem die nachgiebigen und entgegenkommenden Kinder werden oft schon früh von egozentrischen, willkürhaften Eltern oder Erziehern zu "Sklaven" gemacht, die es kaum wagen, eigene Wünsche zu haben oder zu äußern. Um überleben zu können, gewöhnen sie sich daran, immer klein beizugeben, aufopfernd die Forderungen anderer zu erfüllen und sich selbst nichts oder nur wenig zu gönnen. Dieses Verhalten wird ihnen schließlich zur zweiten, ins Erwachsenenalter übernommenen Natur, da es die Möglichkeit zur Entwicklung der eigenen Persönlichkeit ausschließt.

Unsere "Unarten" lösen bei den Menschen, die mit uns zu tun haben, meist das dazu passende, ebenso ungute Verhalten aus. Natürlich gilt dies auch hier. Denn wie gerade die Ängstlichkeit seines Opfers das Raubtier bösartig macht, so führt die unnatürliche, zwanghafte Willfährigkeit des typischen Centaury-Menschen dazu, dass man von ihm automatisch gutmütiges Nachgeben oder selbstloses Entgegenkommen erwartet und kaum auf die Idee kommt, ihm eigene Ansprüche und Bedürfnisse zuzugestehen. (Auch Erpressung kann nur dann stattfinden, wenn es jemanden gibt, der sich erpressen lässt.)

Das machen sich zum Beispiel versierte Verkäufer zunutze, indem sie ihren Centaury-Kunden Waren andrehen, die diese gar nicht wollen, oder professionelle Bettler, die mit sicherem Blick erkennen, welche Menschen nicht nein sagen können.

Für Menschen mit einer altruistischen Veranlagung ist es zwar grundsätzlich richtig, ihrer Umwelt freundlich und hilfsbereit entgegenzukommen, jedoch ist das Verhalten des ausgeprägten Centaury-Menschen nicht der spontane, "unschuldige" Ausdruck seiner Persönlichkeitsstruktur, sondern ihr neurotisches Zerrbild.

Dieses ist das Ergebnis ungünstiger Lebensbedingungen, die nicht nur in den Menschen bestehen, die ihn sich unterworfen haben, sondern auch in dem geistigen Umfeld, in das er hineingeboren wurde. Damit ist besonders die christliche Moral gemeint, in der leider die Idee von Schuld, Verzicht und Selbstverneinung zu sehr und zu lebensfremd dominiert. "Geben ist seliger denn Nehmen" ist eine zutreffende Maxime, wenn man gleichzeitig einräumt, dass auch das Nehmen wertvoll und richtig sein kann. Alles zu seiner Zeit und an seinem Platz - das ist die Wahrheit. Denn wem sollen wir geben, wenn niemand bereit ist zu nehmen?

Im ausgeprägten Centaury-Zustand stellt sich der Mensch nicht aus einer persönlichen, spontanen und selbst verantworteten Motivation, sondern aus erzwungener Selbstverleugnung seinen Mitmenschen zur Verfügung. Er wird nicht froh und stark, während er sich in den Dienst anderer stellt, sondern in der Tiefe seiner Seele frustriert. Ein meist schon nicht mehr bewusst empfundener "eiserner Reifen" presst sein nach einem eigenen Leben verlangendes Herz zusammen, und zugleich zwingt ihn eine drohende Stimme in seinem traurigen Inneren, sich selbst zu missachten und auf die eigene Lebensfreude zu verzichten.

Daher ist es für ihn von lebensentscheidender Bedeutung zu erkennen, dass sein Verhalten nicht, wie man ihm eingeredet hat und wie er selbst glauben möchte, Ausdruck einer hohen Moral, sondern lediglich eine Notlösung und Ausdruck einer Persönlichkeitsschwäche ist. Er müsste einsehen, dass er ein Recht auf ein eigenes Leben hat und dass er das, wozu ihn seine menschenfreundliche, gutmütige Veranlagung treibt, nur dann im guten Sinne erreichen kann, wenn er aus seiner intakten "egoistischen" Ganzheit heraus handelt.

Wenn er zu sich finden würde, wenn es ihm gelingen würde, nur aus eigener Motivation zu handeln, statt immer wieder dem Druck von außen zu gehorchen, würde er immer seiner Art entsprechend handeln: Einmal würde er sich den Ansprüchen anderer versagen, auch wenn sie ihn noch so sehr drängten, und ein andermal würde er sich, auf eigene Vorteile und Vergnügungen verzichtend, selbstlos seinem hilfebedürftigen Nächsten zur Verfügung stellen.

"Wirst du gerufen, so folge!" Wenn wir, dem inneren Ruf folgend, anderen Menschen selbstlos beistehen oder für sie auf etwas verzichten, so bedeutet das keine Selbstaufgabe, sondern in Wirklichkeit freudvolle Selbstverwirklichung.



CENTAURY UND DIE ANDEREN BACH-MITTEL


Häufige Kombinationen mit anderen Mitteln


Wenn zwei Mittel kombiniert werden, entsteht ein neues Mittel, dessen Wirkung entweder in einer gegenseitigen Verstärkung beider Komponenten besteht oder darauf beruht, dass eine Kausalkette, in der ein Problem das andere hervorruft, mit den entsprechenden Mitteln aufgelöst wird.


+ Agrimony:

wenn man zu gutmütig ist (das heißt: nicht nein sagen oder eigene Rechte und Wünsche durchsetzen kann) oder sich herumkommandieren lässt, weil man sich vor Konflikten fürchtet.

+ Beech:

wenn man aus Unterwürfigkeit vorgibt, alles gut zu finden, obwohl dies nicht stimmt.

+ Cerato:

wenn man sich aufgrund von Unselbständigkeit vorschreiben lässt, wie man sich verhalten und was man tun soll.

+ Chicory:

wenn sich die Neigung, andere durch sehr viel Fürsorge an sich zu binden, mit übertriebener Hingebungsfähigkeit kombiniert.

+ Gentian:

wenn man sehr gutmütig und willensschwach ist, so dass man die eigenen Interessen und Wünsche nicht durchsetzen kann und schnell entmutigt ist.

+ Gorse:

wenn man die Hoffnung auf ein eigenes Leben aufgegeben hat und sich verzichtend in den Dienst anderer stellt oder sich dauernd ausnützen lässt.

+ Larch:

wenn man aufgrund von Minderwertigkeitsgefühlen auf seine Wünsche oder sogar auf ein eigenes Leben verzichtet oder "vorauseilenden Gehorsam" praktiziert.

+ Mimulus:

wenn man sich aus Furchtsamkeit zu sehr ausnützen oder herum kommandieren lässt.

+ Mustard:

wenn man aufgrund eines erzwungen entsagungsvollen Lebens depressiv geworden ist.

+ Pine:

wenn man sich aufgrund von Schuldgefühlen oder moralischen Zwängen ausnützen oder herumkommandieren lässt.

+ Red Chestnut:

wenn man übertrieben selbstlos und mitleidig ist.

+ Star of Bethlehem:

wenn man aufgrund psychischer Verletzungen (etwa durch rücksichtslose Erziehung) gehorsam und unterwürfig geworden ist.

+ Walnut:

wenn man sehr gutmütig, entgegenkommend und beeinflussbar ist.

+ Wild Rose:

wenn man aufgrund allgemeiner Resignation übertrieben verzichtbereit ist.


Mittel mit ähnlicher Symptomatik


Beech:

Ähnlich ist die Abneigung dagegen, sich zu wehren. Bei Beech beruht sie auf übertriebener Toleranz, bei Centaury auf Angst vor Gewalt oder Autorität.

Cerato:

Ähnlich ist die Unfähigkeit zu tun, was man selbst will, und die Bereitschaft, sich Vorschriften machen zu lassen. Während der Cerato-Mensch ein Bedürfnis nach Führung und Anleitung hat, ist der Centaury-Mensch zu schwach, sich der Bevormundung zu widersetzen.

Chicory:

Ähnlich ist die Gewohnheit, sich anderen zur Verfügung zu stellen. Bei Chicory ist sie Ausdruck des Wunsches nach Beziehung, während sie bei Centaury einer Schwäche entspringt (Unfähigkeit, sich Ansprüchen zu widersetzen).

Gentian:

Ähnlich ist die ungenügende Kraft, seine Absichten durchzusetzen. Dies beruht bei Gentian auf Willensschwäche und bei Centaury auf krankhafter Nachgiebigkeit und Unterwürfigkeit.

Mimulus:

Ähnlich ist die Furchtsamkeit. Während sie bei Mimulus-Menschen von allgemeiner Natur ist, bezieht sie sich bei Centaury auf den Umgang mit stärkeren oder autoritären Menschen.

Larch:

Ähnlich ist die Tendenz zu Verzicht und Unterwerfung. Sie ist bei Larch die Folge eines Minderwertigkeitsgefühls und bei Centaury Ausdruck einer Selbstbehauptungs- und Persönlichkeitsschwäche. Beiden gemeinsam sind Wirbelsäulenprobleme (schlechte Haltung).

Red Chestnut:

Ähnlich ist die Selbstlosigkeit. Diese drückt sich bei Red Chestnut darin aus, dass man sich viele Sorgen um andere macht, ohne an sich selbst zu denken, wogegen sie bei Centaury in der Bereitschaft zu Verzicht und Anpassung besteht.

Walnut:

Ähnlich ist mangelnde Durchsetzungsfähigkeit und die Tendenz, sich selbst zu verraten. Während Walnut-Menschen sich zu leicht beeinflussen und verführen lassen, sind Centaury-Menschen zu gehorsam und angepasst.


Mit freundlicher Genehmigung von Verlag und Autor:
© VAK Verlags GmbH, Kirchzarten bei Freiburg 2004,
Blome, Götz: Das neue Bach-Blüten-Buch.



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